VR Design: Inhalte

Unsere Virtual Reality Erlebnisse haben eine deutlich stärkere Wirkung als klassische Medien. Dadurch haben wir auch eine größere Verantwortung als Entwickler*innen, bei der Gestaltung der Inhalte.

Worauf wir dabei achten sollten – sowohl im praktischen Sinne, aber auch die ethischen Aspekte – sehen wir uns in diesem Artikel an.

Was zeigen wir und was nicht – was sagt unser VR Erlebnis aus und was wollen wir kommunizieren. Viel mehr als sonst gilt es bei Virtual Reality Projekten genau auf bestimmte Grenzen zu achten.

Denn durch die starke Immersion des Mediums haben wir großen Einfluss auf die Emotionen der Anwender*innen und Spieler*innen. Mit dieser großen Verantwortung müssen wir behutsam umgehen.

Praktische Eckpunkte

Doch beginnen wir erst bei ganz praktischen Eckpunkten für die Entwicklung.

Der Abstand zu den Augen sollte zwischen 75cm und 3,5 Metern liegen. Dieser Bereich ist ideal für die wichtigen Elemente im Blickfeld, da er bei der aktuellen VR Technologie am angenehmsten für die Augen ist.

Wichtig ist es auch keine Elemente näher als 75cm an die Augen kommen zu lassen: Experimente haben gezeigt, dass das für die meisten Menschen sehr unangenehm ist.

Die virtuellen Objekte sollten auch nicht zu dünn sein, ansonsten gibt es dabei unangenehme Flickereffekte wegen der geringen Kantenglättung (Antialiasing).

Um das Eintauchen in die virtuelle Welt zu intensivieren, kannst du als Entwickler*in den 3D Effekt über verschiedene Möglichkeiten verstärken.

Zum Beispiel durch gute Beleuchtung, den Einsatz von passenden Texturen, starke Größenunterschiede und den Einsatz des Parallax-Effekts. In zukünftigen Artikeln werden wir genauer auf diese und weitere Techniken eingehen.

Spiel mit den Größen

Spannend ist auch die Genauigkeit mit der Menschen in VR Größenverhältnisse einschätzen können. Bisher waren exakte Größen selten ein Thema in der Softwareentwicklung für Konsumenten.

Solltest es bei deinem VR Projekt aber wichtig sein, dass die Objekte real wirken, musst du die genauen Größenangaben als einen wichtigen Aspekt mit einplanen.

Aber diese Erfahrung wirst du selbst spätestens dann machen, wenn du dein erstes Objekt durch die VR Brille erlebt hast und merkst, dass die Tasse eher als Regentonne durchgehen könnte.

Daher ist es hilfreich, wenn du schon bei der Entwicklung die Objekte in der korrekten Größe anlegst. Wenn du dir das in deinem Arbeitsablauf angewöhnt hast, dann wird das schnell gar kein Thema mehr sein.

Auch in Sachen Physik-Simulation sind die korrekten Größenangaben – und darüber hinaus auch das Gewicht – sehr wichtig für ein reales Erlebnis.

Aber diesen Aspekt von VR kannst du dir natürlich auch zu Nutzen machen und ganz bewusst mit den Größen spielen. So kannst du eine Stadt auf Miniaturgröße schrumpfen und Benutzer*innen als Giganten herumstampfen lassen. Oder in deinem VR Erlebnis mikroskopisch kleine Teilchen groß wie Autos darstellen.

Gesundheit

Tatsächlich ist auch die körperliche Gesundheit ein Thema bei der Entwicklung von VR Erlebnissen. Denn Interaktionen in der virtuellen Welt werden mit Motion Controllern nicht über das Drücken eines Buttons, sondern mit vollen Körpereinsatz durchgeführt.

Daher solltest du dir beim Design auch darauf achten, dass die geforderten Bewegungen sich nicht zu sehr wiederholen und abwechslungsreich sind.

So sollten beispielsweise nicht über lange Zeit hinweg die gleichen Handbewegungen notwendig sein und Spieler*innen sollten auch nicht gezwungen sein unangenehme Kopf- oder Körperpositionen einzunehmen.

Manches wirst du selbst beim Testen deines Projekts selbst merken, aber verlasse dich nicht darauf und befrage deine Testkandidat*innen nicht nur nach dem VR Erlebnis, sondern auch nach ihrem körperlichen Befinden.

Virtuelle Angst – ganz real

Die Immersion in virtuelle Welten ist in VR so groß wie in keinem anderen Medium. Und als Entwickler*innen arbeiten wir hart daran dieses Eintauchen zu intensivieren und nicht zu unterbrechen.

Das führt jedoch auch dazu, dass alle Emotionen vervielfacht werden. Was wir in VR erleben können steht in keinem Vergleich zu klassischen Spielen und Simulationen.

So müssen wir behutsam beim Auslösen von Angst, Schock, Ekel, etc. umgehen. Was real ist und was nicht verschwimmt in der virtuellen Welt und so erleben wir es ganz anders, wenn z.B. eine virtuelle Person eine Waffe auf uns richtet.

In den kommenden Jahren wird dieser Unterschied zwischen Realität und Simulation immer weiter verschwimmen, da die Technologie mit jedem Jahr besser und leistungsstärker wird.

Deswegen ist es wichtig, dass wir jetzt schon zu Beginn dieses neuen Mediums lernen mit der größeren Verantwortung umzugehen und entsprechende Grundregeln und Sicherheiten entwickeln.

...stuff in VR has a times-one-million multiplier on mood and effect on the person.
Lindsay Jorgensen von Radial Games/Northway Games

Ratings und Trigger Warnungen

Eine dieser Sicherheiten, die entwickelt werden müssen, sind standardisierte Ratings. Diese sollten detailliert genug sein, sodass die verschiedenen Aspekte abgedeckt sind und User vor der Nutzung ein Bild davon machen können, ob sie das Erlebnis erfahren möchten.

In diesem Zusammenhang werden Trigger Warnungen ebenfalls sehr wichtig. So können sie beispielsweise traumatisierte Menschen davor schützen in einem VR Erlebnis retraumatisiert zu werden.

...you don’t want to give too much away up front, but you also have a responsibility to your audience...
Jess Linington auf i-docs.org

Herausforderung für den Journalismus

Auch die Pressearbeit wird sich durch Virtual Reality verändern. Journalist*innen steht nun ein neues Medium für die Berichterstattung zur Verfügung, durch das sie Geschehnisse vor Ort noch klarer kommunizieren können.

Dadurch dass VR mehr als jedes bisherige Medium Empathie transportieren kann, ist es für den Journalismus möglich Geschichten aus der Welt noch lebensnaher aufnehmen und aufzubereiten.

Vorreiterin in diesem Bereich ist unter anderem Nonny de la Peña. Sie hat zum Beispiel über die Kriegssituation für Kinder in Syrien ein immersives journalistisches Werk entwickelt. Es zeigt beeindruckend, wie VR die Situation vor Ort so viel besser verdeutlichen kann, als die klassischen Medien.

Das bringt aber auch Risiken und neue ethische Fragen mit sich, die in den kommenden Jahren diskutiert und gelöst werden müssen. Denn durch die Intensität von VR ist die Möglichkeit der emotionalen Manipulation noch größer.

Und auch stellt sich die Frage, wie viel kann und wird Konsument*innen zugemutet. Denn ein flaches Video aus einem Kriegsgebiet wirkt ganz anders, als die gleiche Szene innerhalb von VR zu erleben.

Wir erfahren nicht nur mehr etwas über die Geschehnisse auf der Welt, wir sind direkt vor Ort dabei. Das wird sogar so weit gehen, dass wir bei Events live dabei sein können, als wären wir mitten drin.


VR steckt noch in den Kinderschuhen

In den kommenden Jahren werden sich die erwähnten Aspekte von Virtual Reality weiter festigen und Konventionen entstehen.

Bis dahin werden wir noch viele Experimente und Ausreisser erleben. Was sehr gut und wichtig ist, denn nur so können wir die ganz Bandbreite und das Potential von VR entdecken und abstecken.

Am allerwichtigsten für dich als VR Entwickler*in ist das Wissen, dass du mit deinen VR Erlebnissen einen sehr großen Einfluss hast und mit dieser Verantwortung bewusst und behutsam umgehen solltest.

Im nächsten Artikel wird es wieder ganz konkret: wir sehen uns einen sehr hilfreichen Arbeitsablauf für die Entwicklung von Virtual Reality Projekten an.

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